Helfen

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Männer helfen gerne praxisnah

Männer sind prinzipiell durchaus sehr hilfsbereite Menschen, die meisten jedenfalls.

Zumindest wenn sie verstehen, dass ihr Gegenüber Hilfe braucht, sind sie gerne bereit, tatkräftig zuzupacken.

Und hier liegt auch schon ein Teil des Problems. Denn vor allem Frauen wünschen sich oft weniger helfende Tatkraft als Verständnis und ein wenig Mitgefühl.

Doch Verständis und Mitgefühl gehören nicht zum normalen Repertoire der männlichen Hilfe.

Bei Männern ist Hilfe gleichzusetzen mit Zupacken oder zumindest mit praxisnahem Rat. Alles andere würden sie nicht für Hilfe halten.

Praktische Hilfe ist ja eigentlich auch wunderbar, wenn es darum geht, einen schweren Getränkekasten die Treppe hinauf zu tragen oder ein Loch in die Wand zu bohren. Aber wenn es um soziale Themen geht, sind praktische Hilfe oder konkrete Ratschläge häufig gar nicht nötig, sie sind oft sogar unerwünscht.

In der Praxis sieht das dann beispielsweise so aus:

Die Frau hatte einen anstrengenden Tag im Büro. Die Kunden haben mit unerfüllbaren Wünschen angerufen, der Chef hat gemeckert und die befreundete Kollegin ist der Frau mit einem gemeinen Spruch in den Rücken gefallen. Jede Menge Gründe also, um nach Feierabend seufzend auf dem Sofa zu sitzen.

Der fürsorgliche Mann fragt seine Frau: "Schatz, was seufzt du so? Geht es dir nicht gut?".

Soweit alles wunderbar, die Frau fühlt sich umsorgt.

Doch halt, so geschieht es nur in wenigen Beziehungen. In den meisten Fällen merkt der Mann nicht, dass die Frau seufzt. Auch andere Signale der Frau werden meistens nicht als dezenter Hilferuf verstanden.

Wenn eine Frau helfende oder tröstende Aufmerksamkeit von ihrem Partner braucht, ist es oft nötig, dass sie das ganz klar und deutlich sagt. Hier ist Scheu auch völlig fehl am Platze, denn es hat niemand was davon, wenn man als Frau noch zusätzlich unglücklich ist, weil der Partner sich nicht nach ihren Sorgen erkundigt.

Das Gesicht der Frau wird dann noch länger und der höfliche Mann geht woanders hin, um die Frau in Ruhe zu lassen - aus seiner Sicht genau die richtige und liebevolle Massnahme, wenn die Frau schlechter Stimmung ist.

Kehren wir aber nun zurück zu der Situation, wo der Mann schon erkannt hat, dass die Frau ihre Sorgen loswerden will.

Sie erzählt also dem Mann von ihren Sorgen.

Daraufhin schaut der liebende Mann ganz empört und sagt: "Mach deiner Kollegin klar, dass sie so nicht mit dir umspringen darf. Das hättest du ihr gleich sagen sollen, dann wärst du jetzt nicht so unglücklich."

Die Frau fühlt sich angegriffen und unverstanden, dabei wollte der Mann ihr nur mit konkretem Ratschlag helfen.

Was die Frau aber gebraucht hätte, um sich besser zu fühlen, wäre eine Antwort etwa nach folgendem Muster gewesen: "Ach mein Liebes, du hast es aber wirklich schwer. So ein stressiger Tag kann einen ganz schön zermürben.", am besten in Kombination mit einer liebevollen Umarmung.

Von so einer Antwort würde ein normaler Mann aber gar nichts halten, denn damit hilft er der unglücklichen Frau ja aus seiner Sicht überhaupt nicht weiter. Kein Lösungsvorschlag, nichts, was die Situation ändern könnte.

Und da der fürsorgliche Mann ja richtig helfen will, mit echten Lösungen und konkreter Hilfe, würde er sich nie erdreisten, so eine Larifari-Beschwichtigung von sich zu geben.

Dass die Frau aber die Situation gar nicht unbedingt ändern will, sondern nur ein wenig Trost und Verständnis ersehnt, ist für den Mann kaum vorstellbar.

Es kann aber noch schlimmer kommen, wie ein weiteres Beispiel zeigt:

Die Frau fühlt sich durch ihren Job, die Kinder und den Haushalt völlig überlastet. Sie sitzt seufzend auf dem Sofa.

Auf die liebevolle Frage des Mannes hin antwortet sie: "Mir ist alles zuviel. Job, Kinder und hier um alles kümmern. Schau mal wie es überall aussieht. Ich komm einfach nicht hinterher mit der vielen Arbeit und fühle mich so kraftlos."

Der Mann steht auf und geht Rasenmähen.

Damit will der Mann seiner Frau tatkräftig zur Seite stehen und ihr einen Teil der Arbeit abnehmen. Er kümmert sich um eine Arbeit, mit der er sich auskennt. Dabei fühlt es sich sehr hilfsbereit.

Die Frau hingegen fühlt sich völlig verlassen und bricht möglicherweise in Tränen aus.

Eine Reaktion, die der Mann überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Dass die Frau auch im Fall von Überforderung am liebsten etwas Trost und Verständnis gebraucht hätte, ist dem typischen Mann völlig rätselhaft.

Fazit:

Um als Frau von Ihrem Mann Trost und Verständnis zu bekommen, hilft nur eins: Sagen Sie Ihrem Mann klar und deutlich, dass Sie vor allem etwas Trost brauchen und dass konkrete Lösungsvorschläge gar nicht nötig sind.

Oder sagen Sie ihm, dass Sie einfach mal alles erzählen wollen, was sie erlebt haben, ohne schlaue Ratschläge als männliche Reaktion.

Und wenn der Mann trotzdem mit praxinaher Hilfe ankommt, dann machen Sie sich bewusst, dass das seine Art und Weise ist, seiner Liebe und Hilfsbereitschaft Ausdruck zu verleihen.

Wenn Ihr Partner schliesslich gelernt hat, dass Sie als Frau vor allem Trost ersehen, kann es natürlich passieren, dass Sie es ihm deutlich sagen müssen, wenn Sie mal tatsächlich praktische Hilfe brauchen.

Umgekehrt:

Bei der Hilfe-Thematik gibt es kein so ganz eindeutiges "Umgekehrt".

Wenn ein Mann seufzt, kann dies mehrere Bedeutungen haben.

Vielleicht will er einfach in Ruhe gelassen werden, vielleicht will er erzählen und bedauert werden oder er braucht und erwartet konkrete Hilfe.

Wenn Sie als Frau in diesem Fall unsicher sind, bieten Sie Ihre Hilfe an, aber drängen Sie den Mann nicht.

Als Mann ist es in solchen Situationen einerseits wichtig, klar zu sagen, was Sie gerade brauchen und wollen.

Und falls die Frau überaus verständnisvoll, aber möglicherweise nervend, ihr Mitgefühl äussert, machen Sie als Mann sich klar, dass das ihre Art und Weise ist, ihre Liebe und Hilfsbereitschaft zu zeigen.

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